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„Liebste Grüße aus der Wüste.“

Pia Schievink
EIRENE-Freiwillige in Niger
Projekt: Kleinkredite für Bäuerinnen und Bauern

Freiwilligendienst im Niger: Reise, Bus

Eine Reisegeschichte

Nach einem wirklich richtig schönen Wochenende in Zinder ging es also am Montag morgen um 6.00 Uhr los in Richtung Agadez. Eigentlich benötigt man für diese Strecke so ca. 6 Stunden; doch 100 km der Strecke ist nicht geteert. Und da gerade die Zeit des Windes ist, war die Piste total versandet – es war, als würde man mitten durch Sanddünen fahren. Dementsprechend oft blieb der Bus auch im Sand stecken und alle Männer mussten raus, schaufeln und schieben. Wir Frauen und die Kinder durften im Bus sitzen bleiben– zum Glück! Schließlich war der Bus allerdings sooo eingegraben, dass auch wir alle raus mussten.

Freiwilligendienst im Niger: Pia

Draußen herrschte Sandsturm – ich kann euch sagen, dass ist so richtig unangenehm. Irgendwann kam ein Lastwagen mit einer Ladung Ziegen vorbei; nach kurzem Gespräch mit dem Busfahrer war entschieden: alle Frauen und Kinder auf die Ladefläche, er würde uns bis ins nächste Dorf mitnehmen, damit wir dort auf den Bus warteten. Gesagt – getan.

Im Dorf angekommen machte ich mich erst mal auf die Suche nach Wasser; naiv wie ich bin, hatte ich nämlich keines mitgenommen. Bereits kurz nach unserer Ankunft kam dann auch der Bus an. Alle versorgten sich ebenfalls mit Wasser und etwas Essbarem und wir setzten unsere Reise fort– so gegen 16 Uhr, also 10 Stunden nach unserem Aufbruch in Zinder. Doch schon nach 8 km blieben wir erneut stecken; wieder hieß es schaufeln und schieben. Diesmal nur leider nicht mit Erfolg, eher im Gegenteil: Eines der Sandbleche riss den Tank des Busses auf. Unsere Reise mit diesem Bus war also definitiv beendet. So standen wir also dort, mitten in der Wüste, keine Möglichkeit, irgendwen zu informieren geschweige denn diesen Bus zu reparieren. Gott wie war ich dankbar, unter Nigrern zu sein! Trotz der doch besorgniserregenden Situation blieben alle völlig ruhig und auf meine Frage: „und was machen wir jetzt?“ Kam nur zu Antwort: „nur keine Sorge Pia, irgendwas wird schon passieren.“ Und recht hatten sie...

Freiwilligendienst in Niger: Dorf

Meine Arbeit

Bei meiner Arbeit – wir vergeben hier Kleinkredite an Bäuerinnen und Bauern, damit sie aus dem Teufelskreis der Verarmung ausbrechen können – stelle ich immer wieder fest, dass man im Niger so schwer diesen uns so vertrauten Unterschied zwischen „Arbeitsleben“ und „Privatleben“ machen kann. So kommt es, dass wie selbstverständlich auch am Wochenende Versammlungen oder Dienstreisen unternommen werden. Andererseits wird man bei Familienfesten wie Taufen oder Hochzeiten ohne große Komplikationen freigestellt. Und findet eine solche Festivität bei einem Kollegen statt, nimmt natürlich das ganze Team teil.

Weihnachten auf nigrisch – mal was ganz anderes

Vor ein paar Tagen war also Heilig Abend, allerdings ohne Schnee, Kerzenschein, Weihnachtsgebäck, Orgel- und Blockflötenmusik oder Christbaum – und es war wunderschön! „Stille Nacht“ auf französisch und mit Trommelbegleitung zu singen war einfach zu herrlich!!

Im Anschluss an die Messe verweilten wir noch ein wenig in der Kirche, es wurde getanzt, getrommelt, gesungen und mit Wunderkerzen hantiert – ein herrlicher Augenblick. Schließlich und endlich landeten wir dann in einer Disco und ließen den Abend bzw. die Nacht mit ausgiebigem Tanzen ausklingen.

So, das war es von mir fĂĽr heute.

Liebste GrĂĽĂźe aus der WĂĽste
Pia Schievink
Agadez und Niamey, 2004 – 2005